Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel, MdB und Außenminister a. D.

Zeitenwende – wohin steuert die Weltpolitik?
Die Weltpolitik ist in Aufruhr. Was seit Jahrzehnten verlässlich schien, gilt nicht mehr. Das Geschäftsmodell des Westens gerät durch weltweiten Protektionismus, globale Migration und sich ausbreitende Krisen gewaltig unter Druck. Im Innern stellen derweil der furiose technische Wandel, Zuwanderung, eine Arbeitswelt, die sich rasant ändert, und der Umbruch des Parteiensystems die Grundfesten unserer Gesellschaft infrage. Sigmar Gabriel beschreibt die Geburtswehen der neuen Ordnungen und fragt: Was tun? Wo ist Deutschlands Platz in der Welt? Die Entscheidungen, die jetzt anstehen, liegen jenseits der politischen Routine. Um zu bewahren, was wichtig ist, müssen wir mehr Verantwortung übernehmen, sagt der erfahrene Geostratege, und neue, gemeinsame europäische Strategien entwickeln. Eins, so Gabriel, könne man dabei auch von Donald Trump lernen: „Die Ausreden, dieses oder jenes ginge nicht, müssen ein Ende haben.“

Drei Fragen an Sigmar Gabriel

Frage: Als Wirtschaftsminister waren Sie einst für die TTIP- und CETA-Verhandlungen zuständig. Welches Freihandelsabkommen würden Sie heute gerne aushandeln?
Antwort: Am liebsten wäre es mir, wir könnten die Welthandelsorganisation WTO reformieren, damit für alle Staaten die gleichen Spielregeln gelten und sie auch durchgesetzt werden können. Bilaterale Handelsabkommen sind immer nur die zweitbeste Lösung. Aber wenn es um die Bedeutung eines bilateralen Abkommens geht, wäre für Europa ein Abkommen mit China das bedeutendste.
 
F.: Als Sie 2018 Ehrenbürger Ihrer Heimatstadt Goslar wurden, hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Laudatio. Ein Satz lautete: „Entscheidend ist nicht, ob man aneckt, sondern wie und wofür man es tut." Womit sind Sie – im Privaten oder Politischen – das letzte Mal aus Überzeugung angeeckt?
A.: Wenn „Anecken“ für „Widerspruch ernten“ steht, dann privat mit meiner Mitgliedschaft bei Werder Bremen, denn meine Frau ist eingeschworener Fan von Bayern München. Politisch vermutlich mit meiner Behauptung, dass wir Deutschen uns besonders über Donald Trump aufregen, weil er uns täglich vorführt, wie groß bei uns die Lücke zwischen unseren hohen moralischen Ansprüchen und unseren tatsächlichen Möglichkeiten ist.
 
F.: Noch ein Zitat – diesmal von Egon Bahr: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten ..., egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."  Hatte er recht?
A.: Es geht immer um beides.